****Wir wünschen allen Aktiven, Freunden und Förderern der Ehrenamtsagentur ein erfolgreiches 2019, Glück und vor allem Gesundheit!****

Flüchtlingshelfer aus Büdingen ziehen Bilanz

 

 

BÜDINGEN - Büdingen. Jules August Schröder, Waldemar Bähr und Kurt Stoppel: drei sehr unterschiedliche Männer, die eine Sache eint. Alle drei engagieren sich im Netzwerk Neue Nachbarn der Büdinger Ehrenamtsagentur. Jules August Schröder unterstützt Flüchtlinge und deren Familien als ehrenamtlicher Pate. Kurt Stoppel ist auf vielfältige Weise in der Ehrenamtsagentur aktiv. Er hilft Flüchtlingen, eine Wohnung zu finden, kümmert sich um die Einrichtung, hilft beim Umzug, bringt das Projekt "Internationaler Garten" am Wolfsbach voran (Kreis-Anzeiger vom 16. August). Waldemar Bähr wiederum betreut geflüchtete Menschen in Düdelsheim.

"Generell schließen wir Ehrenamtlichen eine Lücke zwischen Bürokratie im weitesten Sinne und den Menschen selbst", definiert Jules August Schröder die Tätigkeit der drei Männer. "Wir leisten Hilfe zur Integration." Es ist Jules August Schröders persönliche Geschichte, die ihn dazu gebracht hat, sich zu engagieren. Er hat im Zweiten Weltkrieg erlebt, wie es ist, ausgebombt zu sein und nach Büdingen zu kommen. Er kann sich noch an die Flüchtlingstrecks erinnern: "Diese Menschen mussten nicht integriert werden. Sie gehörten zu unserer Kultur. Dennoch ist ihnen Ablehnung entgegengeschlagen, weil sie in Häuser und Wohnungen einquartiert werden mussten."

Kurt Stoppels Motiv, sich zu engagieren, ist ebenfalls die Integrationsarbeit. Er möchte den Flüchtlingen das Leben in Deutschland näherbringen. Sein Hauptziel: "Ich will sie aus ihrer Hängematte holen und an das Arbeitsleben heranführen."

Waldemar Bähr benennt sein Ziel mit zwei Worten: "Menschen helfen." Seit Ende 2015 betreut er in Düdelsheim 19 Flüchtlinge, Männer allesamt, die in der Schulstraße 9 untergebracht sind. Es ist eine Gemeinschaftsunterkunft, die die Stadt Büdingen betreibt. "Ich bin im Team der Ehrenamtsagentur fest verankert", sagt Bähr und: "Zu den Treffen gehe ich regelmäßig, um Erfahrungen und Ideen auszutauschen."

Als die Zahl der Schutzsuchenden in Deutschland im Sommer 2015 stark anstieg, seien die Behörden nicht darauf eingestellt gewesen, sagt Waldemar Bähr. Deshalb habe es anfangs viele Schwierigkeiten gegeben. Da hätten bei vielen die Namen auf den Bankkärtchen nicht gestimmt und die Menschen hätten kein Geld abheben können. Gesundheitskärtchen hätten die Flüchtlinge noch nicht gehabt und jeder Arztbesuch hätte von den Behörden genehmigt werden müssen. Viele seiner 19 Männer hätten in ihren Zimmern gesessen. "Nach acht Tagen haben sie sich gewundert, dass hier in Deutschland nicht alles rosarot ist." Ernüchterung sei eingetreten. "Erst als der jeweilige Status der Männer durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge festgestellt worden war, ist es besser geworden." Hernach hätten die Männer ihr Gesundheitskärtchen bekommen und Arztbesuche seien einfacher geworden, weil nun eine Abrechnung möglich gewesen sei.

Bürokratie

Eine Vielzahl an Behörden ist in die Betreuung und Integration der Flüchtlinge involviert. Die Zusammenarbeit mit den Behörden beschreibt Jules August Schröder als gut. "Alle, mit denen ich zu tun habe, sind sehr bemüht und rufen bei Fragen schnell zurück." Dennoch beklagt Schröder ein Zuviel an Bürokratie. Das führe zu Durcheinander. Auch würden Asylanträge unterschiedlich bewertet, obwohl die Menschen mit ähnlichen Hintergründen und Fluchtverläufen nach Deutschland gekommen seien. Waldemar Bähr widerspricht: "Die Bürokratie funktioniert. Sobald der Staat den Status eines Flüchtlings bestimmt hat, ist ohnehin der Staat zuständig und nicht mehr die Ehrenamtlichen." Wichtig ist für Bähr Gerechtigkeit für alle: "Die deutschen Sozialempfänger schauen mit Argusaugen darauf, ob es fair und gerecht zugeht." Während die Arbeit von Jules August Schröder und Kurt Stoppel von Pragmatismus geprägt ist und die beiden auch einmal bereit sind, bestehende Regeln weit auszulegen, wenn es der Sache dient, will Waldemar Bähr Richtlinien, Vorgaben und Regelungen eingehalten sehen.

Frustration erleben die Flüchtlingshelfer immer wieder. "Eine solche Aufgabe kann man nur machen, wenn man mit dem Herzen dabei ist", sagt Schröder, "Wir kennen die Menschen, die hierherkommen, nicht und wir kennen ihre Kultur nicht. Wir wissen nicht, wie sie sich ihr Leben hier vorstellen. Man muss Rückschläge ertragen können." "Rückschläge gibt es", sagt auch Kurt Stoppel: "Es gibt Leute, die bleiben lieber in der Hängematte. Aber wenn sie eine größere Wohnung brauchen, dann erinnern sie sich an mich." Waldemar Bähr nickt. Edda Degenhardt habe Anfang 2016 Deutschunterricht in Düdelsheim erteilt. "Beim ersten Mal sind morgens alle 19 da gewesen. Am nächsten Tag nur vier. Da habe ich mir zwei Topfdeckel aus der Küche des Hauses in der Schulstraße geholt und mich in den Flur gestellt." Nach einer Weile seien alle regelmäßig zum Deutschunterricht erschienen. Kurt Stoppel lacht: "Wenn jemand nicht pünktlich an einem vereinbarten Treffpunkt ist, fahre ich nach fünf Minuten weg. Dann bekomme ich meist einen Anruf oder eine Whats-App: ,Wo bist du?' und ich antworte: ,Wo warst du?' Beim nächsten Mal passiert das nicht mehr." Ja, Kurt Stoppel und Waldemar Bähr packen die Menschen, denen sie helfen wollen, nicht mit Samthandschuhen an.

Durch die intensive Betreuung sind mit der Zeit Freundschaften entstanden, erzählt Waldemar Bähr nun: "Viele kommen zu meiner Frau und mir nach Hause. Wir sprechen darüber, was sie geschafft haben, seit sie hier sind, und wie es weitergeht."

Integrationsarbeit

Die Bilanz der drei Männer fällt positiv aus. "Wir sind relativ erfolgreich bei der Integrationsarbeit", sagt Stoppel. "Klar, haben wir keine Super-Überschüsse", ergänzt Jules August Schröder, "Aber ich bin recht zufrieden. Ich bin froh, dass ich etwas für die Menschen, die ich betreue, erreichen kann." Waldemar Bähr holt weiter aus: "Ich verfolge die Politik und sehe das Schengener Abkommen als gescheitert. Alle wollen nach Deutschland. Von den 19 Männern, die ich betreue, hätten zwei in Ungarn und drei in Griechenland bleiben müssen. Bei allen 19 aus der Schulstraße sei inzwischen der Status geklärt. Sie können erst einmal bleiben. Der letzte jedoch müsse eigentlich das Land verlassen und in den Irak zurückkehren. Das sehe ja auf dem Schreibtisch fair und gerecht aus. "Das dieser Mensch nun in den Irak zurück soll in ein Kriegsgebiet, tut mir weh. Doch wenn wir in der Sache nicht hart bleiben, steht die nächste Welle vor der Tür. Flüchtlinge wie dieser sollten in Europa bleiben dürfen. "Aber das muss die Politik regeln."

 Gelungene Integration durch Sport

Team Refugees International (EAE) gewinnt 2. Internationalen Büdinger Sommercup für Flüchtlinge, 70 Teilnehmer in vier Mannschaften

 

 

Stadtverordnete Sieglinde Huxhorn-Engler führt zusammen mit Michael Sauerwein und Isidro Perez symbolischen Anstoß aus  / Büdinger Sport Coaches als Veranstalter

 

Auch der 2. Internationale B

 

 

üdinger Sommercup für Flüchtlinge war ein gelungenes Beispiel für die Integrationskraft des Sports: 70 Fußballer unterschiedlichster Nationalitäten waren am vergangenen Samstag in vier Mannschaften auf dem Sportgelände der SG Büdingen aktiv. Es wurde mit großem Ehrgeiz und jederzeit fair gespielt.

 Im Elfmeterschießen setzte sich das Team der Alten Herren der SG Büdingen (Trainer Stephan Beutel) gegen das Team SG International (Trainer Gerhard Marek) durch. Das Endspiel gewann das Team Refugees International aus der Büdinger Erstaufnahmeeinrichtung (Trainer Jürgen Rollmann) mit 1:0 gegen das Team der Biblischen Gemeinde (Trainer Dietmar Jakobi) und konnte somit seinen im Vorjahr errungenen Titel verteidigen. Die Freude über den Sieg war überschwänglich. Immer wieder wurde der Wanderpokal gemeinsam von Spielern und zahlreichen Besuchern aus der EAE in die Luft gestemmt und war heiß begehrt für Erinnerungsfotos.

 Der von den vier Büdinger Sport Coaches Michael Mierich, Andre Garske, Jürgen Kühnl und Jürgen Rollmann organisierte 2. Sommercup stand unter der Schirmherrschaft von 1. Stadträtin Henrike Strauch. Den symbolischen Anstoß führten die Stadtverordnete Sieglinde Huxhorn-Engler (Vorsitzende des Ausschusses Jugend, Kultur, Soziales), Michael Sauerwein (Leiter der Büdinger Erstaufnahmeeinrichtung) und Isidro Perez (Malteser Betriebsleiter in der Büdinger EAE) aus. Auch Bürgermeister Erich Spamer weilte unter den Zuschauern, die von Mitgliedern der SG Büdingen bestens verköstigt wurden.